Mein Beitrag zu
1200 Jahre Magdeburg

Hier erscheint ein Filmprogramm aus den 40--er, 50-er, 60-er und anderen Jahren zum Anschauen und downloaden.
Auf dieser Seite erscheinen aus DDR-Zeiten Filme der DEFA und auch DEFA-synchronisierte Filme aus dem Ausland!
Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Besucher meiner Webseite
an diese Filme!

Diesmal ein DEFA-Indianerfilm aus dem Jahr 1967

Chingachgook, die Große Schlange
Frei nach der Erzählung "Der Wildtöter" von J. F. Cooper
Ein DEFA - Film der Gruppe "Roter Kreis" auf ORWO-Color und Totalvision
Verleih: VEB Progress Film-Vertrieb

Hier geht es zu den Filmprogramm-Bildern ab 2014

Die abenteuerliche Geschichte Chingaehgooks, der Großen Schlange, beginnt nicht gerade zaghaft: Der junge Mohikaner hat dem Häuptling der Delawaren das Leben gerettet und soll dafür dessen schöne Tochter Wahtawah zur Frau erhalten, da wird seine Braut am hellichten Tage entführt. Dennoch ist dieser Anfang nichts im Vergleich zu dem, was die nächsten Tage Chingachgook bringen werden: heimtückische Überfälle und offene Angriffe, Überraschungen, bei denen nur blitzschnelles und richtiges Reagieren dasLeben, retten kann, harte Stunden am Marterpfahl -- Gelegenheit genug, sich ,aller Fähigkeiten zu bedienen, die man erwerben konnte, Gelegenheit genug, sich zu bewähren oder unterzugehen. Daß Wahtawah aus der Hand ihrer Räuber, einer Gruppe von Huronen, befreit- werden muß, ist für die Große Schlange und seinen Freund Wildtöter keine Frage. Am Glimmerspiegel. einem malerisch gelegenen Bergsee, wollen sie sich treffen. In friedlichen Zeiten jagen dort sowohl Huronen wie Delawaren; der See liegt zwischen den Gebieteil, in denen sie leben. poch als Chingaehgook, schon von Huronen verfolgt, und Wildtöter dort ankommen, ist die Situation viel schwieriger, als sie es bei ihrer Verabredung ahnten: Wieder einmal, jetzt im Sommer 1740, versuchen die an der nordamerikanischen Ostküste stationierten englischen Truppen, Frankreich die Herrschaft über Kanada. streitig zu machen. Und nun geht es zwischen Huronen und Delawaren nicht mehr nur um ein Mädchen. Denn beide Stämme werden, von den rivalisierenden Kolonialmächten für ihre Zwecke mißbraucht. Zynisch erläutert der Kommandant des in der Nähe. errichteten englischen Forts, Hauptmann Warley, einem jungen Fähnrich: "Die Krone braucht Land, Macht, Reichtümer. Wir müssen uns ranhalten. Wir bezahlen die Delawaren, und die Huronen sind die Söldner der Franzosen. Und so bleibt -uns nichts' weiter übrig, als auf beiden Seiten bis zum letzten Indianer zu kämpfen." Außer einander feindlichen weißen Soldaten und sich bekämpfenden Indianern leben noch andere Menschen am See, besser gesagt: auf dem See. Tom Hutter, ein weißer Fallensteller, von dem-niemand genau weiß, wer .er ist und woher er kam, hat sich auf einer Sandbank ein Blockhaus
gebaut. In dieser Wasserburg lernt Wildröter auch die hübsche Judith, die angebliche Tochter Tom Hutters kennen, und bald verbindet ihn mehr mit dem klugen Mädchen, als bei einer Bekanntschaft von nur drei Tagen zu erwarten gewesen wäre. Doch so wie er und Judith sich zu einander hingezogen fühlen, sind auch Tom Hutter und der Jäger Harry Hurry, in dessen Begleitung Wildtöter an den See gekommen ist, ein Herz und eine Seele. Das Lager, das die Huronen auf einer Landzunge aufgeschlagen haben, wirkt auf sie wie ein Magnet. Doch haben sie anderes im Sinn, als ein entführtes Mädchen zu befreien. Sie begreifen ohnehin nicht, daß Wildtöter der Großen Schlange helfen will. "Im Lager schlafen, Skalpprämien genug", sagt der alte Tom. "Das gibt schweres Geld, Kopfgeld, Weiber und

Kinder, große und kleine Schöpfe. Die Kolonie zahlt." Er und Harry sehen zwischen der Jagd auf Biber und der Ermordung wehrloser, schlafender Indianer durchaus keinen Unterschied. Verkauf von Tierfellen oder Verkauf menschlicher Kopfhäute - das ist ihnen gleich. Um von Wildtöter nicht gehindert zu werden, ziehen sie, heimlich des Nachts los. Am Huronenlager läuft ihnen Wahtawah in die Arme, die gerade fliehen will. Sie wissen nicht" daß sie es mit einer bewachten Gefangenen zu tun haben - so werden sie selber gefangen.
Judith zuliebe - sie sieht in Tom Hutter immer noch ihren Vater, obwohl sie sein schändliches Vorhaben verurteilt hat - erwirkt Wildtöter zusammen mit seinem Freund die Freilassung der Gefangenen für Lösegeschenke. Die Befreiten jedoch haben in den Stunden, in denen sie den Tod vor Augen hatten, nichts gelernt. Auch das Beispiel Chingachgooks und Wildtöters, eines Indianers und eines Weißen, die über Rassenvorurteile hinweg unzertrennlich miteinander befreundet sind, gibt ihnen nicht zu denken. Heimtückisch schießt Harry Hurry den Huronen nach, die ihn und Tom der Abmachung getreu freigelassen haben. Damit zerstört er jede Hoffnung auf Frieden am See. Während Harry ins Fort eilt, um die englischen Soldaten auf die Huronen zu hetzen, muß Tom seine Verbrechen mit einem qualvollen Tod bezahlen.
Chingachgook versucht, die Huronen zur Besinnung zu bringen. Er weiß aus eigener Erfahrung, wohin ihre Zwietracht die Indianer führen kann: Erlebt bei den Delawaren, weil von seinem eigenen Stamm, den Mohikanern, nach blutigen' Kämpfen nur ein Mann übriggeblieben ist - er. Als Pfeilspitze, Erbe der Häuptlingswürde der Huronen, ihm vor einem Zweikampf im Urwald entgegenschleudert. "Das Kriegsbeil ist wieder ausgegraben zwischen Delawaren und Huronen!", da berichtigt er seinen Gegner: Es ist Krieg zwischen Engländern und Franzosen, Krieg um die Jagdgründe der Delawaren und Huronen! Zuviel Blut ist schon geflossen durch die Zwietracht der roten Männer." Doch er vermag den jungen Huronen nicht zu überzeugen. Bei einem neuen Versuch, Wabtawah zu befreien, kann die Große Schlange selber nicht mehr entkommen. Da er Pfeilspitze getötet hat, ist sein Schicksal besiegelt: Chingachgook soll am Marterpfahl sterben. "Kein anderer Stamm kann sich mit dem der Huronen vergleichen", verkündet der Huronenhäuptling Gespaltene Eiche. Sein Gefangener erwidert ihm ruhig: "Das haben die Mohikaner auch geglaubt. Jetzt bleichen ihre Gebeine in der Sonne," Da wird den Huronen ihr Lagerplatz, den sie noch unter Friedensumständen während eines Jagdzuges gewählt haben, zum Verhängnis, Harry Hurry war es nicht gelungen, Hauptmann Warley allein mit dem Hinweis auf Tom Hutters und Judiths bedrohtes Leben zum Eingreifen zu veranlassen. Erst' die Nachricht von den Huronenfamilien und die Aussicht auf leicht zu erwerbende Skalpprämien brachten den Offizier zu der Meinungsänderung, daß er das Fort durchaus von Truppen entblößen Nun marschieren seine Soldaten in dichter Reihe auf die Landzunge. Die Huronen, von Wasser umgeben,können ihnen nicht entkommen. Nur einzelne retten sich, unter ihnen Gespaltene Eiche, schwer verwundet. Seine Einsicht kommt zu spät: "Der Rat der Alten möge Frieden schließen mitallen Stämmen der roten Männer!

DIE HISTORIE
Als Chingachgook, die Große Schlange, an den See-kam, um Wahtawah zu befreien, waren die Söhne eier großen Bärin noch nicht geboren: Der Anfang 1966 uraufgeführte erste Indianerftlm .der DEFA spielte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts -über 100 Jahre nach den EreIgnissen, die dem zweiten DEFA-Film mit Indianerthematik zugrunde liegen.
,.Die Große Schlange" ist ein Spielfilm, frei gestaltet nach einem Roman. Dennoch sind die Umstände, unter denen sich seine Handlung entfaltet, rein, historisch verbürgt. Tatsächlich brachen 1740 Kämpfe zwischen englischen und französischen Truppen aus, bei denen jede Seite danach trachtete, ihren. . Kolonialbesitz in Nord-amerika auszudehnen - auf Kosten des anderen Staates, in jedem Fall jedoch zu Lasten der amerikanischen Ureinwohner, der Indianer. Die englischen Kolonien trugen-zum Teil schon damals entscheidend dazu bei, daß die französische Kolonialmacht nicht weitervordringen konnte. In mehreren Kriegen, deren letzter 1763 zu Ende ging, verlor Frankreich seinen nordamerikanischen Kolonialbesitz an -Großbritannien. Ihres auf diese Weise gesichert erscheinenden Besitzes konnten sich die Sieger aber nur wenige Jahre erfreuen. Denn der Kern der britischen Kolonien in Nordamerika, das sogenannte Neuengland an der Ostküste, stand später an der Spitze der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. die im Krieg gegen das "Mutterland" den Sieg davontrug. Unabhängigkeitserklärung 1776, von Großbritannien 1783 anerkannt.) Während des englisch-französischen blutigen Streits um.arnerikanische Kolonien waren auch in Europa Kämpfe zwischen den beiden Kontrahenten im Gange. Immer Wieder trachtete Großbritannien im 18. Jahrhundert danach, seinen stärksten Rivalen bei der kolonialen Expansion auch auf dem europäischen Kriegsschauplatz zu beschäftigen, denn die in Europa gebundenen französischen Streitkräfte konnten -nicht dazu verwandt werden, Verluste von Kolonien an England zu verhindern. 1740; in dem Jahr, in dem der Chingachgook unseres Films seine Abenteuer mit den Huronen zu bestehen hatte, starb in Wien Kaiser Karl VI. Die Herrschaft seiner Nachfolgerin, seirier ältesten Tochter Maria Theresia, über die Länder der österreichischen Monarchie wurde von mehreren europäischen Staaten nicht anerkannt. Im "Osterreichischen E:rbfolgekrieg", der bis 1748 dauerte und ganz Europa ergriff, stand Großbritannien neben den Niederlanden und Rußland auf der Seite Maria Theresias, während Frankreich, mit Bayern, Sachsen und Preußen verbündet, gegen die Habsburgerin und damit gegen das. britische Reich kämpfte, -, nicht nur auf dem Lande, sondern auch zur See. Dabei konnte sich der Inselstaat gegenüber seinem Konkurrenten mehr und mehr durchsetzen. Nicht nur in Amerika erlitt Frankreich Niederlagen; in Indien verlor es seine gesamte Einflußsphäre an die British East India Company. Hier währte die' britische Kolonialherrschaft länger als in Amerika, behaupten aber konnte sie sich auch in Indien' nicht.w

DIE QUELLE
James Fenimore· Cooper
Sechs Jahre nach dem Sieg der einstigen Kolonien im amerikani- . schen Unabhärigigkeitskrteg gegen England. 1789, wurde James Fenimore Cooper geboren. Der Begründer des historischen Romans in der amerikanischen Literatur erlangte vor allem durch seine Lederstrumpf-Erzählungen Weltruhm. Der Roman "Wildtöter", auf den sich der neue DEFA-Film stützt, ist der erste und zugleich der letzte Band dieser Reihe. Denn sein ,nhalt steht am Anfang der Gesamthandlung; doch wurde er als letztes Lederstrumpf-Buch geschrieben: 1841, zehn Jahre bevor Cooper in zunehmender Verbitterung über die amerikanischen Verhältnisse starb. Die An-' sichten seines Verfassers enthält deshalb gerade dieser Band des
fünfteiligen Werkes sehr ausgeprägt.
Mit seiner 100 Jahre zurückgreifenden Erzählung wollte der Schriftsteller seinen Zeitgenossen einen kritischen Spiegel vorhalten. Dabei vertrat er besonders nachdrücklich seine Ansichten über die Gleichheit aller Menschen, ohne Unterschied der Rasse den der romantische Cooper seine Charaktere auch oft gezeichnet hat, so erwies er sich in der Gestaltung der Indianer doch als Realist, der, die "Rothäute" nicht als minderwertige Menschen schilderte, sie aber auch nicht idealisierte. Manche Dialoge des Films sind seinem Roman nahezu wörtlich entnommen: "Drei Farben gibt's auf der Welt", behauptet Harry Hurry. "Weiß ist die nobelste. und darum ist der weiße Mann der beste; dann kommt der Schwarze, und darum hält man ihn auch in den Siedlungen der Weißen, um ihn arbeiten zu lassen; rot kommt zuletzt, und das zeigt wohl, daß ein Indianer höchstens halb als Mensch gelten kann." Und Wildtöter erwidert ihm: "Gott hat alle drei gleich geschaffen!" Gewiß nicht ohne Grund betonte Cooper auch die indianische Erziehung dieses jungem Weißen, den er dem Leser eindeutig sympathisch vorstellt -im Gegensatz zu Hauptmann Warley, von den Skalp [ägern Tom Hutter und Harry Hurry ganz zu schweigen. Hauptmann Warley mit seiner Arroganz und seinem Zynismus ist schon in der literarischen Zeichnung durch Cooper ein Prototyp des Kolonialoffiziers. Daß er, eine selbstsüchtig-aggressive Gestalt der erstarkenden kapitalistischen Gesellschaft, mehr als zwei Jahrhunderte später in. unserer Gegenwart!. - noch nicht restlos ausgetilgt sein würde, das mag der Humanist James Fenimore Cooper zur Ehre der weißen Männer nicht für möglich gehalten haben.

Buch: Wolfgang Ebeling, Richard Groschopp; Produktionsleitung: Dorothea Hildebrandt; Kamera: Otto Hanisch; Szenenbild: Paul Lehmann; Ausführung: Heinz Röske, Helfried Winzer; Musik: Wilhelm Neef; Es spielt das DEFA - Synfonie - Orchester unter Leitung von Adolf Fritz Guhl; Kostüme: Günther Schmidt; Masken: Kurt Tauchmann, Christa Grewald, Heinz Wolter; Ton: Bernd Gerwien; Schnitt: Helga Krause; Assistenz-Regie: Doris Kalb; Choreographie; Henn Haas; Kamera-Assistent: Günther Heimann, Peter Schlaak; Standfotograf: Waltraud Pathenheimer; Aufnahmeleitung: Gerrit List, Heinz Schwoch, Uwe Klimek; Außenrequisiteur: Alfred Rehausen; Oberbeleuchter: Herbert Ikker, Fritz Deckow

ROLLEN:

DARSTELLER:

Chingachgook, die große Schlange

Gojko Mitic

Wildtöter

Rolf Römer

Judith Hutter Lilo Grahne
Tom Hutter Helmut Schreiber

Harry Hurry Jürgen Frohriep

Wahtawah Andrea Drahota
Gespaltene Eiche Johannes Knittel
Delewarenhäuptling A. P. Hoffmann
Pfeilspitze Heinz Klevenow
Flinker Elch Milan Jablonský
Hauptmann Warley Horst Preusker
Fähnrich Thornton Karl Zogowski
Korporal Rudolf Ulrich u.a.
Als Chingachgook, die Große Schlange, an den See-kam, um Wahtawah zu befreien, waren die Söhne eier großen Bärin noch nicht geboren: Der Anfang 1966 uraufgeführte erste Indianerftlm .der DEFA spielte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts -über 100 Jahre nach den EreIgnissen, die dem zweiten DEFA-Film mit Indianerthematik zugrunde liegen.